Raus aus dem (Wohnungs-)Konzept

Umzug in der eigenen Wohnung

Eigentlich wollte ich ja schon seit Jahren eine neue Wohnung für meinen Mann, meinen Hund und mich suchen. Aus mehreren Gründen hat das immer wieder nicht geklappt und deswegen stand es mittlerweile an, sich jetzt einfach mal endgültig zu entscheiden: Eine neue Wohnung suchen oder doch bleiben?
Ihr wisst alle wie der Wohnungsmarkt aussieht, und da selbst bei erfolgreicher Suche ein Umzug eine Menge Geld, Zeit und Energie frisst, haben wir uns doch dazu entschieden, in unserer Wohnung zu bleiben und zu renovieren.

Alles beim Alten belassen?

Normalerweise hätten wir jetzt einfach die Zimmer neu gestrichen und alles beim Alten belassen. Mein Problem war nur: Auf der Seite unseres Schlafzimmerfensters hat der Straßenverkehr in den letzten Jahren zugenommen, sodass es im Sommer manchmal schon zu laut war, um nachts noch die Fenster öffnen zu können. Das andere Zimmer geht in die andere Richtung und ist ruhiger. Aber dieses ist das Zimmer mit dem Balkon und deutlich größer. Schlaf- und Wohnzimmer einfach zu tauschen, passte irgendwie nicht. Was also tun?

Was machen wir eigentlich in unserer Wohnung?

Ich hatte dann eine Idee, die mich selbst überraschte. Mein Mann und ich überlegten uns, was wir in unserer Wohnung eigentlich tun, also zum Beispiel am Computer arbeiten, malen, schlafen, lesen, Filme anschauen, kochen etc. Jede Tätigkeit haben wir auf einen einzelnen Zettel geschrieben und dann auf dem Grundriss unserer Wohnung hin und her geschoben. Was machen wir eigentlich zu welchen Tageszeiten, was kann in einem Raum zusammen sein?

Die Wohnung begrenzt die Möglichkeiten

Wo müssen wir dann doch auch Kompromisse eingehen, weil wir dann eben doch auch nur begrenzten Raum haben? Schlafen und Filme schauen passt nicht zusammen, denn mein Mann schaut gerne noch amerikanische Serien, wenn ich schon längst im Bett bin.
Schlafen und kreativsein passt bei uns zusammen, denn das machen wir zu unterschiedlichen Zeiten.
Doch wenn wir das Bett in das Zimmer mit dem Balkon stellen, was machen wir, wenn Besuch kommt und wir mit dem auf den Balkon wollen? Für mich war es bislang  immer wichtig, dass unser Schlafzimmer privat blieb. Das geht dann aber natürlich nicht mehr. Was könnte also dafür eine Lösung sein? Ein weiteres Zimmer haben wir nun mal nicht, und so mussten wir abwägen.

Raus aus dem Konzept

Wir haben uns jetzt für eine Lösung entschieden, die sich von dem Konzept Küche, Schlaf- Wohn- und Arbeitszimmer loslöst. Anfangs hatten wir noch geplant, dass der Kleiderschrank natürlich in dem Raum steht, wo auch das Bett ist. Das war der unbewussten Grundannahme geschuldet: Wo das Bett steht, steht der Kleiderschrank.  Aber das schien uns dann doch zu sehr den Raum zu füllen. Der Kleiderschrank bleibt also in dem Zimmer mit Sofa. Damit nehmen wir in Kauf, dass wir schon am Abend vorher unsere Kleidung raussuchen müssen, wenn auf dem Bettsofa mal Besuch übernachten sollte. Aber da das selten vorkommt, ist das keine größere Einschränkung.

Das Sofa-Kleiderschrank-Zimmer und das Schlaf-Kreativ-Arbeits-Zimmer

Derzeit sieht es so aus, als hätten wir neben Küche und Bad ein Arbeitszimmer für meinen Mann, der zuhause arbeitet. Dann ein Sofa-Fernseh-Zimmer, in dem auch der Kleiderschrank steht. Und im drittes Zimmer stehen dann unser Bett, eine Kommode, unsere Kreativecke (zum Malen, Nähen & Schreiben) und mein Computer. Da ich ja noch eine eigene Coachingpraxis außerhalb der Wohnung habe, brauche ich keinen eigenen Arbeitsplatz.
Das Spannende dabei ist, dass durch die neue Aufteilung auf einmal ein fester Platz für eine Kreativecke entstanden ist. Also etwas, was wir vorher so nicht hatten. Das ist erst aufgetaucht, als wir uns gefragt haben, was wir eigentlich machen.

Grundannahmen in Frage stellen

Und das ist möglich geworden dadurch, dass wir die Grundannahme, nämlich die normale Zimmeraufteilung, in Frage gestellt haben. Und uns gefragt haben, wie wollen wir leben, was ist uns wichtig und was machen wir zu Hause eigentlich alles. Und dafür haben wir die beste Lösung gesucht, die zurzeit möglich ist.

Wir haben die Grundannahme, nämlich die normale Zimmeraufteilung, in Frage gestellt. Und vielleicht hilft euch das auch bei anderen Problemen. Schaut mal hin, was sind Eure Grundannahmen, die so selbstverständlich sind, dass ihr nicht darüber nachdenkt. Und was könnte Neues und Kreatives entstehen, wenn ihr diese Grundannahmen mal gedanklich auflöst?

 

 

 

Veränderung erzeugt Verwirrung
Warum Schreiben helfen kann...
silkemaschinger
Silke Maschinger
info@silke-maschinger.de

3 Kommentare

  • Frank

    14.01.2020 um 21:55 Antworten

    Interessant. In der Tat bin ich auch gerade dabei, einen Teil unserer Wohnsituation neu zu überdenken. Aus ähnlichen Gründen 😉 Es wird womöglich nicht auf so tiefgreifendes Re-Arrangement hinauslaufen. Doch ein paar bisherige Entscheidungen und Ansätze gehören auf den Prüfstand. Ein inspirierender Artikel!

    • silkemaschinger

      silkemaschinger

      15.01.2020 um 12:01 Antworten

      Danke für Deinen Kommentar. Dann wünsche ich Dir kreative Ideen und bin gespannt, was dabei herauskommt!

  • Katja Otto

    02.03.2020 um 20:31 Antworten

    Sehr interessante Herangehensweise! Das habt ihr toll gelöst. Das Thema erinnert mich auch direkt an eine meiner Klientinnen, die gerade etwas ähnliches im Bereich Beziehung/Familie versucht, da das klassische Zusammenwohnen nicht funktioniert, gilt es auch hier das klassische “Modell” loszulassen und eine neue Art des Zusammenlebens zu finden. Es muss eben kein Umzug sein, oder eine Trennung, um sich neu zu finden. Danke für den Impuls!

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